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Es ist Bergwetter

Fernbeziehungen sind nervig. Aus diversen Gründen. Allen voran natürlich: der Mensch, mit dem man Zeit verbringen möchte, ist nicht da. Man lebt mit dem Kalender und dem Versuch, das Optimum rauszuholen. Und natürlich mit der ständigen Frage der Mitmenschen: wie geht's Euch/Dir damit? Die natürlich nach tagesaktueller Verfassung grundsätzlich anders beantwortet wird. Jetzt gäbe es natürlich die Möglichkeit, München für eine Zeit "Auf Wiedersehen" zu sagen. Aber jetzt ganz abgesehen von persönlichen Bindungen - München auf Wiedersehen sagen? Wenn man einmal der Hassliebe zu München verfallen ist?

Aber München ist ja das eine. Analog zu "andere Mütter haben auch schöne Söhne" - es gibt auch andere schöne Städte. Vielleicht sogar schönere? Aber...! Was hilft denn schön, wenn keine Berge da sind? Schön ist ja auch die alte Heimat. Da ist es wirklich schön - solange man nicht drauf fixiert ist, dass man am Wochenende in die Berge fährt. Natürlich kann man das auch von dort aus noch, aber man kann es sich nicht im Zweifelsfall erst um 10 Uhr beim Morgenkaffee überlegen. Da steht man früher auf. - Das mit Spontanentscheidungen am Sonntag Vormittag und überhaupt das Ausschlafen und alles andere auch ist Typsache und ich geh jetzt auch nicht davon aus, dass mich jetzt jeder versteht.

Also wenn es jetzt nur um München ginge - dann hätte es in den letzten Jahren genug Punkte gegeben, an denen wir Good-bye gesagt hätten: Adios, war schön mit dir, jetzt schaun wir woanders mal wie es läuft. Aber diese Kombination von München und den Bergen. Jedes mal wieder: hach...

Und dann hat man sich irgendwann mit dem Kalender eingerichtet, der einem ja auch nicht Wochen im Vorlauf sagt, wie das Wetter so wird und stellt fest: Es ist Bergwetter. Und man ist nicht da.

Aber zumindest kann das Rheingau auch Herbst.

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Und für alle, die das sind: Gehen Sie in die Berge - zum Beispiel auf das Pürschlinghaus oder zum Wandern mit Karwendelblick.

 


Schenk mir einen grünen Luftballon

Erstmal Glückwunsch, liebe Grüne: Sensationelles Wahlergebnis. Die Menschen wollen den Wandel. - Nur welchen Wandel? Und wieso geht ein Linksruck durch Bayern? Und wieso, wenn sie einen Wandel nach links wollen, entzieht ihr euch der Verantwortung?

Ach so, das tut ihr gar nicht? Da gebe ich euch recht. Die bayerischen Grünen haben im gesamten Wahlkampf die Tür nie zu gemacht. Weil, sie sind ja nicht so auf der Brennsuppn daher g'schommen, dass sie nicht wüssten, dass Wandel auf lange Zeit gesehen nur mit und nicht gegen die CSU geht. Blöderweise sind das aber Wähler mit Kurzzeitgedächtnis, Wähler, die sich nie wirklich für Kommunal- und Landespolitik interessiert haben, Kommentatoren  - ja und leider auch die Bundesgrünen.

Ich hab das sehr bewundert, wie sehr sich die Bayerngrünen im Wahlkampf von Berlin, den Fundis und vom Bund abgegrenzt haben: unser Spiel. Und weshalb um Himmels Willen, lassen sie sich am Wahlwochenende so in die Suppe spucken? Ja, wir erzählen jetzt Bayern wie Demokratie funktioniert! Am Tag vor der Wahl. Und dann die komischen Sprüche von wir haben die CSU abgewählt, Bayern ist jetzt links - und der Gipfel des Ganzen: am Wahlabend lassen die Bayern-Grünen zur Bayern-Wahl, bei der sie nach Stimmenzuwachs der klare Gewinner sind, zu den Tagesthemen den Bundesvorstand sprechen, der krachend die Tür zu einer möglichen Koalition zuschlägt.  - Wieso lass ich mir meinen Triumph so aus der Hand nehmen? Besser nicht regieren als schlecht regieren?

Aber stellen wir uns doch ein paar anderen Fragen: zum Beispiel ist der neue bayerische Landtag wesentlich linker? Grüner ist er und das ist gut so. Aber die Bayern-SPD, die ja immerhin noch bis dato mit 20 Prozent vertreten war, ja - anderes Thema - aber nach Zahlen: rot-grün, soweit sich grün noch natürlich zu rot zugehörig fühlt, ist ebenso stark oder schwach wie vorher - nur mit gegenteiliger Gewichtung. Man beachte die Wählerwanderung laut Abendzeitung. Also einen Linksruck gab es in Bayern schon mal nicht.

Was es meiner Meinung nach tatsächlich gab: das Signal, welche Themen, jedenfalls in Teilen der Bevölkerung, wichtig sind - das Signal, dass Bayern grüner und ökologischer wird, aber konservativ. Jetzt haben die Grünen doch einen Großstadtwahlkampf gemacht. Im Flächenland Bayern gibt es genau neun Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern. Die beiden Spitzenkandidaten kamen beide aus München. Fand ich schon im Wahlkampf schwierig. Halt ich nach wie vor auch für einen Fehler oder den Beweis, dass man mit Großstadtthemen sich eben auf der sicheren Seite gefühlt hat.* Kann jetzt jeder betrachten wie er will.

Und an diesem Punkt ist mein Erstaunen fast am größten: Die Grünen haben 30 Jahre lang, nämlich von 1984 bis 2014  in München zusammen mit der SPD regiert. - Und sie würden es heute noch, hätte die SPD bei der letzten Stadtratswahl nicht so massiv verloren, dass das nicht mehr möglich war. Viele der Münchner Probleme gehen auf diese Koalition. Die Münchner Grünen tun allerdings so, als wären sie seit Jahrzehnten in der Opposition. Und die Münchner glauben das auch. Ist das jetzt Kurzzeitgedächtnis oder, was ich glaube und befürchte, völliges Desinteresse an Kommunalpolitik?

Aber noch mehr befürchte ich, man gefällt sich im urbanen, weltoffenen Style wie sich die Münchner auch lange im Toskanafraktionssozialdemokratie-Style gefallen haben. Politik ist kein Style, München ist nicht Bayern. Und die Freien Wähler haben auch Themen, die für das Flächenland Bayern wichtig sind. Und entscheidend. - Aber liebe Kommentatoren und Außer-Bayern und in einer Insel-in-Bayern-Lebende: nach linksgerückt ist Bayern nicht nach dieser Landtagswahl. Das wäre es nur, wenn es in Zukunft schwarz-grün regiert würde.

* Update: Und dann stellt sich auch noch heraus, dass die Großstädte lange nicht so grün sind, wie man glaubte.


Gegenüber

Gegenüber  ist es noch nicht gentrifiziert. Gegenüber wohnen noch Menschen, die da schon lange wohnen. Gegenüber wurde aber auch schon zwei mal verkauft und hat die Eigentümerform gewechselt, was die Mieter gegenüber durchaus in berechtigte Sorge bringt. Gegenüber hat auch schon die Bezirks- und Stadtpolitik alarmiert, aber mit dem gewöhnlichen Erfolg und hier ist eigentlich auch Erhaltungssatzungsgebiet. Gegenüber ist für mich auch weniger die teilweise zu beobachtenden Wohnungen, die eindeutig in Arbeiterunterkünfte umfunktioniert wurden in den letzten beiden Jahren, worauf die Stadt aber weniger reagiert hat. Oder der massive Preissprung bei Neuvermietungen.

Gegenüber hat ein Gesicht. Mein Gegenüber ist ein alter Mann, den ich sehe, wenn ich auf den Balkon zur Straße gehe. Er ist oft am Fenster und schaut raus und raucht. Im Winter mit einer Jacke und einer Mütze. Eigentlich bemüht er sich, uns nicht direkt anzuschauen. Aber er sieht uns natürlich. Wir haben relativ bald nach unserem Einzug angefangen, über die Straße zu winken. Hallo zu sagen. Die Überraschung war ihm anzumerken. Inzwischen ist es normal.

Manchmal war er in der Boazn ums Eck. Da, wo einige wie er waren. Da, wo Menschen wie ich auch nicht erwünscht waren. Und ich nicht hingehen wollte.

Die Boazn ist nicht gentrifiziert. In die Boazn ist jetzt das Alt-68-Schwabing eingezogen. Das ist ja auch Schwabing und wahrscheinlich fühlen sie sich zu Recht als Schwabing.

Und ich mag das ja auch. Nur was ich nicht mag, wenn die Alt-68-Schwabinger, die ihre großen Altbauwohnungen für ein Appel und ein Ei gekauft haben oder immer noch für einen lachhaften Betrag an Miete drin wohnen - den Landsitz selbstverständlich dazu - den Besitzstand für sich bewahren wollen, wobei ich tendenziell der Feind bin und mein Gegenüber irrelevant. Ich hab mich über die Neueröffnung gefreut. Ein Teil, den ich mit Schwabing verbunden hatte, ehe ich herzog, und der dann doch nicht da war, weg war, ist wieder da und das ganz bei mir ums Eck. Und doch dieses Verstehen, dass jemand anderen etwas weggenommen wurde. Und weder ich, noch ich als Zielgruppe - sondern die, die das gerne anprangern, dass wir das wären, die zerstören, eben die haben ihm das weggenommen. Die Gentrifizierer, die selbst gentrifiziert wurden.

Das ist ein Perpetuum-Mobile, auch wenn der Status der Postgentrifizierung scheinbar eingetreten ist. Momentan würde ich mir wünschen, dass mein Gegenüber und ich dort gemeinsam ein Bier trinken - oder einen Kaffee, obwohl die Tagesöffnung entgegen der Ankündigung schon nach einem Monat passé ist. Ich würde mit einen Ort für Nachbarschaft wünschen. Ob seit 50 oder 5 Jahren, seit 5 Monaten oder 5 Tagen. Wäre doch echt schön.

 


Ein Plädoyer für die Wohnenden

Mieter haben eine Lobby. Oder keine. Je nach Betrachtungsweise. Die heilige Kuh, die nicht geschlachtet werden darf oder geschlachtet wird. Je nach Betrachtungsweise. Verstehen Sie mich nicht falsch: ich halte das Thema Wohnen neben dem Thema Pflege als eines der zentralsten Themen jedenfalls in Großstädten überhaupt. Ich finde aber auch nicht, dass man ein Grundrecht darauf hat, in Schwabing, am Prenzlauer Berg, in Notting Hill oder am Hyde Park zu wohnen. Wobei ich ebenso finde, dass es jedem der genannten und allen ungenannten Stadtteilen gut tut, wenn sich verschiedene Schichten zusammenmischen.

Und all die sind: die Wohnenden. Und dabei ist es erstmal total egal, ob es sich um Mieter oder Eigentümer handelt. Die, die Wohnen sind die Wohnenden. Und damit eine Klasse von Menschen, die bei der ganzen Diskussion erstmal außen vor gelassen wird. Da gibt es nämlich nur die Mieter und die Vermieter. Letztere sind per se böse, auch die, die keine Spekulation betreiben, sondern sei es als Anlage, sei es als "das ist mal für die Kinder" eine Wohnung haben. Mieter sind auch nicht per se gut, weil wir grad dabei sind.

Wenn wir jetzt aber eine Koalition bilden müssten, wäre die größte Übereinstimmung zwischen Altmietern und selbstwohnenden Eigentümern (wofür es nicht einmal ein griffiges Wort gibt - es gibt nur den selbstgenutzten Wohnraum, der aber die Sache in den Vordergrund stellt und den Menschen verschwinden lässt). Das mag seltsam erscheinen, immerhin hat der Eigentümer viel Geld dafür ausgegeben neben jemanden zu wohnen, der möglicherweise noch wenig Miete zahlt. Aber das hat er sich ja durchgerechnet, dass sich das für ihn rechnet. Aber beiden gemein ist: das Umfeld ist ihnen nicht egal. Die Wohnung, das Haus, die Straße, das Viertel - das ist Herzblut.

Aber anstatt sich über die Herzblutgemeinschaft zu definieren, zu der meiner Ansicht auch jeder Neumieter, auch wenn er einen astronomischen Mietpreis zahlt, der sich in die Wohnung, das Haus, die Straße, das Viertel verliebt, stoßen soll und darf, werden Gräben ausgehoben. Dabei haben wir alle diesselben Punkte, die uns ärgern und die uns freuen.

Ich bin der Ansicht, wenn durch Sanierung oder Neubau etwas entsteht, das dann eine ganz neue Klientel anzieht, ist das unverträglich. Und dann hilft es auch nicht, wenn das Mietwohnungen sind. Wieso soll das besser sein als Eigentumswohnungen, in denen die Menschen selbst wohnen? Da hast du viel eher den Miethai, der sich nicht für Strukturen interessiert.

Wäre unser Haus an einen Investor gefallen, es wäre nicht besser gelaufen. Es wären auch so die meisten Altmieter draußen. Aber es wäre niemand neu da, der mit Herzblut hier wäre.


A green City?

Auf den Grünflächen zwischen Straße und Bürgersteig, die nicht mehr grün sind - seit Monaten nicht mehr, zwischen den Bäumen und egal, dass da ein Randstein ist, über den man fahren muss, parken inzwischen die Autos. Und wenn man in die Parks reinkäme mit dem Auto wären sie wahrscheinlich inzwischen auch große Parkflächen. Heinertown ist zwar grün von oben herab - der Bürgermeister ist schon in der zweiten Amtszeit. Aber grün im Alltag? - Da fehlt es meines Eindrucks weit.

Ohne Auto einzukaufen. Möglich aber eine Herausforderung. Auch dieses, ich nehm einfach mal auf dem Weg noch was mit. Weil auf dem Weg ist nicht - vor allem kein Bäcker, Metzger oder (hui!) Gemüsehändler. Bitte steigen Sie ins Auto und fahren Sie zum Stadtrand.

Sie wollen Rad fahren? Ernsthaft? Dann kennen Sie sich bitte gut aus, ansonsten schicken wir Sie an den wenigen vorhanden Wegweisern auch lieber die Hauptverkehrsstraße entlang. Da wissen Sie wenigstens, dass Sie ankommen. Radlstadtplan - so ein Chi-Chi brauchen wir nicht.

Ebensowenig brauchen wir eine Landesgartenschau, die eine Brachfläche in attraktives Grün im Nachgang verwandelt hätte. Ih bäh, kostet Geld und die Leute sind auch mit wenigen unattrakiven Grünflächen zufrieden.

Bei einer Stadt, die grün wählt, würde ich mir ja eine grüne Lebensweise erwarten. Aber vielleicht habe ich ja auch eine andere Vorstellung von einer grünen Lebensweise...


Schwabing hoid?

Stellen Sie sich vor: ein Betrüger nimmt eine Elterninitiative aus bis diese beinahe kollabiert und nur mit persönlichen Finanzspritzen gerettet werden kann. Die Reaktion in den Medien wäre normal: empört. Jetzt geht es aber dabei um eine Elterninitiative in Schwabing. Und um einen grandiosen Dokumentarfilm, der über diesen Betrug, den Betrüger und die betroffenen Eltern gedreht wurde. Der Film heißt: Der Betrug. Ist von David Spaeth. Und lief am Mittwoch abend im Ersten. Und wird von der ARD angeteasert mit den Worten: "Für den Zuschauer ein verblüffender Grenzgang zwischen Recht und Unrecht, Mitleid und Schadenfreude."

Schadenfreude? - Nach dem Motto: Geschieht den reichen Schnöseln recht?

Die Zeit analysiert den Film als Gesellschaftskritik und beendet den Artikel mit "Am Ende verraten Inserts, dass das an den Rand der Insolvenz getriebene Kinderhaus gerettet werden konnte durch Eltern, die binnen drei Wochen mal eben 90.000 Euro auftreiben können. Weshalb man sich fast fragen kann, ob sich überhaupt von Geschädigten sprechen lässt, wo so viel Geld vorhanden ist. "

Also wenn 45 Elternpaare 90.000 Euro spenden, was 2.000 Euro pro Elternpaar ausmacht, sind die nicht geschädigt, weil sie haben es ja?

Und wenn man sich so die Geschichten um die Geschichte weiter durchliest, kommt es einem ja fast so vor, als wäre das ganze eine Robin Hood Geschichte. Designersofa. Kapitalismuskriktik. - Also wir reden nach wie vor von einem Typen, der eine gutgläubige, und etwas naive, Elterninitiative um 250.000 Euro geprellt hat in weniger als zwei Jahren - um sich davon Ferraris zu mieten und Edelnutten zu zahlen. Aber man findet das durchweg die Upper Class entlarvend (by the way: Upper class ist noch was ganz, aber ganz ganz anderes). Was entlarvt es: Menschen, denen es gut geht und die ganz viel Empathie für andere haben. Die kein Klassendenken leben, weil es ihnen widerspricht. Menschen, die nicht glauben, dass es Menschen gibt, die ihnen was böses wollen, weil sie das noch nicht erlebt haben.

Letzteres mag naiv sein. Und mir macht es klar, dass es eben doch einen Unterschied zwischen denen und mir gibt. Ich wäre misstrauisch gewesen. Und ich hätte den Typen früher entlarvt - vielleicht hätte mir keiner geglaubt. Aber erstens hab ich es gelernt zu überprüfen und zweitens komm ich nicht aus der Upper Class. Und wenn in der Dokumentation an der ein oder anderen Stelle angesprochen wird, dass es kurz vorm Auffliegen war, naja - war anscheinend keine Journalistin in der Elterninitiative... Wieder der Beweis: die Mischung macht es.

Aber auch der Beweis: Schwabing ist ein unglaublich guter Hood. Menschen, die nicht ständig hinterfragen, woher kommst du und was machst du. - Stattdessen Menschen, die meinen, sie müssten sich beweisen. Keiner beweist sich in Schwabing mit einem teuren Auto. Weil das steht in der Regel in der Garage - und wenn die Besitzer daraus rauskommen steigen sie aufs Radl um heimzufahren. Völlig unscheinbar. Und ich hatte mal einen Millionärsnachbar, der ganz kurzzeitig ein sehr sehr teures Auto fuhr - das hat ihm keine Anerkennung im Hood eingebracht, nur von irgendwelchen Prolls, die mal am Haus vorbeizogen - dann fuhr er wieder Rad. Für mich übrigens sehr Schwabing: haste Geld, zeigst es nicht, keiner fragt. - Aber soweit die angesprochene Gesellschaftsanaylse: es ist schon oft da. Schwabing hoid.

Aber ich bleib dabei: DAS ist nicht die G'schicht. Und irgendein Typ, der Proll-Attitüden an den Tag legt, um dazu zu gehören, hat das nicht verstanden. Was ich aber nicht verstanden habe: Hat dieser Basti in Schwabing gelebt? - Es ist die Rede von einem Haus, das neu eingerichtet wurde. Wo war das und warum hat man das nicht hinterfragt. Was ich auch nicht verstehe: welche Rolle hat seine Frau gespielt? War sie Teil des Betrugs oder selbst Betrogene? Letzteres ja offensichtlich, wie die Dokumentation in einem Nebensatz klar macht. Da fehlen mir, rein journalistisch betrachtet, auch noch ein paar Antworten.

Die Dokumentation ist in der Mediathek noch bis 29.8.2018


Na servus.

Ja, es gibt sie auch in Heinertown die Locations, die so in sind, dass ein mutmaßlich >100.000 Euro Wagen direkt davor auf dem Gehsteig parkt und im Garten viel Bussi-Bussi und Rolex und alternativ nur die unvermeindlichen Schrittzähler-Uhren und natürlich blondiert, aber keiner Sonnenbrille im Haar, weil das gibt es ja nur in München. Und dann stehst du da und stellst fest, dass der hervorragende Italiener, der im übrigen auch Münchner Preisniveau hat, aber das ist ja erstaunlicherweise in Heinerland nicht überraschend, ein echter In-Schuppen ist. Im Gegensatz zu anderen Frauen bestelle ich keinen Spritzz, weil das mache ich eigentlich nur noch in Bozen und dann heißt es Veneziano - oder man trifft mich auf dem Fuß, dass ich mich in Italien fühle - gedanklich. Passiert alle paar Jahre. In meiner Stammwirtschaft in Neuhausen gab es einen hervorragenden Spritzz, sehr italienisch. Aber meine Neuhausen Zeit ist fünf Jahre vorbei und seit vier Jahren gibt es auch den alten Löwengarten nicht mehr. Dort ohne Bussi-Bussi.

Da mit Bussi-Bussi und Kötern, die in Handtaschen spazieren getragen werden. Und dann kommt so ein Köter mit zugehörigen Herrchen, das eindeutig zuviel Zeit auf dem Golfplatz verbringt, an. Und das Herrchen so: "Servuuus".

Servuuus. Hey, ich ich bin so cool. Ich war schon in Lech oder Kitzbühel. Oder am Tegernsee. Und deswegen bin ich jetzt multilingual und da, wo die coolen Leut sind, da sagt man so. Ich kann's nur nicht aussprechen, weil ich bin halt a hessischer Heiner - aber ich tu mal so. Na servus.


Neues von der Else Kling

oder auch: des is doch mir alles wurscht (also den anderen)

Und weil mir nicht alles wurscht ist, mutiere ich regelmäßig zur Else Kling. Ohne Kittelschürze versteht sich.

Da man sich aber auf ein Spezialthema spezialisieren muss, ist mein Spezialthema im Haus der Müll. Ich sehe zwar durchaus noch andere Potentiale, aber solange dieses Thema nicht durch ist, setze ich meinen Focus, weil ich will ja nicht hauptberuflich unbezahlte Hausmeisterin werden, so fühle ich mich ja eh manchmal schon. Ich sag's Ihnen: das Thema Müll in einem Mehrfamilienhaus... Da kommt man an Punkte, bei denen man sich fragt... Aber die Hausverwaltung sagt, das sei überall so. Da frag ich mich auch...

Wertstoffhof? - Ach, da muss ich ja erst hinfahren. Das entsorge ich doch lieber im Restmüll. Oder ich stell es im öffentlichen Bereich ab, wo es dann so richtig versifft, aber sich keiner traut, wegzutun, weil es könnte ja Privateigentum sein.

Container? - Da muss ich ja erst 50 Meter über die Straße gehen. Dabei könnte man da ja auch seinen Wertstoffmüll abladen, jedenfalls sieht es so aus dort.

Und wenn dann alles da ist, wo es sein sollte, sagt die Müllabfuhr: nein, also die Tonnen bringen wir nicht auf die Straße - weil da stehen ja Räder im Durchgang. Die nirgendwo anders stehen können, weil die Stadt München ja eine Verordnung hat, wieviele Radstellplätze zur Verfügung zu stellen sind. Und eine weitere Verordnung hat, dass man die nicht einfach im Hof abstellen kann, weil da eine Spielfläche ausgewiesen ist. Aber der Durchgang zwischen Rädern und Wand zu schmal ist - und als Spielfläche würde das auch nicht durchgehen. Also sagt die Müllabfuhr: wir leeren die Tonnen nicht. Es sei denn, ihr stellt sie raus. Und der Hausmeister sagt: also wenn ich sie rausstellen soll, will ich das dreifache meines Monatsgehalts - weil wir sind ja in München. Und für Müll bin ich nicht zuständig.

Und dann diskutierst du noch mit jemanden, ob man nicht das ganze runterleveln könnte: wir zahlen das doppelte  und die Tonnen fahren wir selbst rein. Und derjenige, der diesbezüglich erfahrener und desillusionierter ist als du, sagt nur: der Depp bist du.

Und er hatte Recht. Weil der Hausmeister sagt: ich rechne das zwar ab, aber machen tu ich es nicht. Der Rest der Hauses sagt: des ist doch mir wurscht. Und die einzige, die die Mülltonnen wieder reinbringt, nachdem sie die halbe Woche abgewartet hat, ob es jemand macht, bin ich.

Und dazwischen gehen die Mitbewohner halt vors Haus, um ihren Müll zu entsorgen. Oder schmeißen die Tüten dahin, wo die Müllltonne stehen sollte. Weil irgendjemand kümmert sich schon. Werd ich auch wieder Mieter, weil dann ist mir alle egal? Wobei mir das auch als Mieter nicht war. Ich hab immer den Standpunkt gehabt: wir leben hier zusammen. Das ist unser Haus. Lasst uns gemeinsam schauen, dass es so läuft, dass es für uns alle gut ist.

Aber das ist ja allen völlig wurscht. Den einen, weil es ihnen wirklich wurscht ist. Den anderen, und das finde ich völlig absurd, weil sie sagen, ich bin ja hier nur Mieter. Ja und? Ist eine Hausgemeinschaft, die nur aus Mietern besteht, mehr wert als eine die sowohl als auch? - Fakt ist: wir leben hier zusammen. Und wir wollen gut zusammen leben. Davon gehe ich jedenfalls aus. Aber ich hab immer mehr das Gefühl, das mein nur ich.


Ein eigenes Bad ist keine Luxussanierung

Arme Mieter gegen böse Vermieter. Super Geschichte, läuft in München. Drohende Luxussanierung. Noch bessere Geschichte. Aber erzählen wir die Geschichte doch mal anders.

Es gibt ein völlig marodes Haus, von denen es übrigens in München noch viele gibt, bei dem die notwendigen Instandhaltungsmaßnahmen seit Jahrzehnten unterblieben. Ich mein: Gemeinschaftsklo, kein eigenes Bad. Das ist seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts nicht mehr Standard. Aber machen wir uns nichts vor, davon gibt es noch diverse Häuser in München. Und seit etwa 20 bis 30 Jahren sterben eben jene Vermieter, die sich nie drum gekümmert haben, weg. Die haben sich aber weder um ihre Häuser groß gekümmert, noch um die Erbfolge. Das waren oft einfache Leut, die unten ihre Werkstatt drin hatten oder ihren Laden, die das so schon von der Generation davor übernommen hatten. Ein Mietshaus in München zu haben, war lange Zeit nichts besonderes. Das hat dem Bäcker gehört, der seinen Laden da hatte. Dem Schreiner mit seiner Werkstatt. Und einen Generationswechsel ging das gut.

Und jetzt, vielmehr seit Jahrzehnten, haben wir den zweiten. Und es gehört viel dazu, das dann erhalten und auf neuesten Stand - am besten noch sozialverträglich - bringen zu wollen. Da hast in der Regel noch eine Erbschaftsgemeinschaft, in der es reicht, wenn auch nur einer ausscheert und sich auszahlen lassen möchte - dann ist es eh vorbei. Aber gehen wir mal vom Idealfall aus: die Erben wollen erhalten. Sogar nach der Erbschaftssteuer - die sie im übrigen nur bezahlen können, wenn sie selbst vermögend sind oder darauf setzen, dass das Ganze ein Ding ist für ihre Kinder oder Enkelgeneration. Und dann kommt das Gutachten, die Sanierungskosten betreffend. - Da sagt fast jeder: Nein. Plus der Ärger mit den Mietern und den Medien? Nein. Nein. Nein.

Das ist hart für die Mieter. Heute noch viel mehr als vor 20 Jahren. Aber sind wir doch mal ehrlich: Können wir alle nachvollziehen, oder? Mir hat mehr als ein Nochnicht-aber-Nachfolge-Eigentümer gesagt: Ich werde mir das nicht zahlen können. Andere leben mit einem Berg Schulden obwohl sie eigentlich vermögend wären. Es gehört viel dazu, das dann durchzuziehen. Es gehört auch ein Generationendenken dazu, strategisches Denken, ein guter Berater in steuerlichen Fragen. Ich verstehe jeden, der davor kapituliert.

Und jetzt - sehr unpopulär: ich halte tatsächlich die Umwandlung für die beste aller Lösungen. Nach weiträumigen Erhaltungssatzungsgebieten augeschlossen. Aber ist es soviel besser einen Miethai auf die Mieter loszulassen? - Achtung: wir haben hier eine zum Teil rückblickende Darstellung

Das Problem sind ja die Geier, die bei allen jetzt möglichenVarianten lauern.

Bei einer Umwandlung mit Vorkaufsrecht haben die, die wohnen eine Möglichkeit, dort wohnen zu bleiben. Ansonsten kommt ein Investor, investiert, setzt die Mieten hoch und schaut nach zehn Jahren, ob all die Mieterhöhungen was gebracht haben und sich das Investment lohnt. Wenn nicht, stoßen wir es ab. Nach zehn Jahren kein Problem. Dann fällt ja auch die Spekulationssteuer weg. Und dann kann immer noch umgewandelt werden - nur die ursprünglichen Mieter und potentiellen Käufer werden sich das nicht mehr leisten können.

Das Geierproblem lauert aber zugegebenermaßen auch bei einer Umwandlung. Die, die sowohl Mieter wie auch Einzelkäufer übers Ohr hauen. Weil, liebe ungläubigen Leser, gearscht sind tatsächlich beide. Und deswegen haben auch (in diesem Fall zu Recht) zu wenig Mieter vom Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen. Eigentlich geht es darum, diese Geier einzudämmen. Das sind die, die in dem Umwandlungsprozess fünf mal völlig legal ihre Form und ihren Namen ändern bis sie für nichts mehr haftbar gemacht werden können. Aber das machen sie auch, wenn sie das ganze Objekt behalten und dann nach zehn Jahren steueroptimiert es weiterverscherbeln. Dann haben weder Mieter noch potentielle, da will ich wohnen Neu-Eigentümer eine Chance.

Das Problem liegt in der Struktur. Der Eigennutzer einer Wohnung ist nicht - und darf es nicht sein - das Problem. Eigentlich sind Eigenutzer gut: sie sagen nicht "leck mich irgendwo, interessiert mich nicht". Und eigentlich ist so ein Einzelvermieter, mit dem man reden kann, wahrscheinlich auch nicht das verkehrteste. Gut, der beste aller Vermieter ist sicherlich der gute alte Eigentümer, dem ein ganzes Haus gehört. Aber die wie gesagt, sterben weg. Und wenn sie nicht verantwortungsvoll zur rechten Zeit mit ihrem Eigentum umgegangen sind (was nicht immer im Sinn des aktuellen Mieters gewesen wäre und wäre, sondern zukunftsplanerisch) und steueroptimiert für die Erbengeneration, dann bleibt nur der Verkauf. Das Thema ist in München noch lange nicht durch.


Dahoam

Jetzt arbeiten sie sich alle wieder mal am Begriff Heimat ab. Heimatgefühle sind Intellektuelle ein rotes oder eher schwarzes Tuch, rechtes Teufelszeug und entsprechend hat man als  Linksintellektuelle keine Heimatgefühle, weil selbst wenn man sie hätte, dann würden sie nicht dem Selbstverständnis entsprechen. Und ich finde es sehr bitter, dass der Begriff Heimat politisch aufgeladen wird. Und wie immer hilft einem das Bairische weiter, denn da sagst einfach: dahoam.

Dahoam kann vieles sein: die eigenen vier Wände – ja, und darum gibt es auch ein Mittelstandseigenevierwändeförderprogramm der Bayerischen Staatspartei, weil die eigenen vier Wände Heimat sind. Sie bedeuten Beständigkeit, den Wunsch da zu bleiben – auch wenn man woanders hingeht, wiederzukommen.

Dahoam ist auch da, wo man sich kennt, wo jemand sagt: Griaß di, wie geht’s dir? Und sich im Zweifelsfall auch dafür interessiert, wenn man sagt: nicht so gut. Aber das einfach vor die Tür treten und jemanden zu kennen. Einen Nachbarn. In der Bäckerei drauf angesprochen werden, wenn man mal was ganz anderes nimmt. An Schmaatz halten, wie man auf gut Bairisch sagt. Das muss man sich erarbeiten. Egal wo.

Dahoam ist Sprache – das wird jeder bestätigen, der mit daheim telefoniert und plötzlich wieder im Heimatdialekt spricht.

Dahoam ist da, wo man sich über Dinge, über Mitmenschen, über Lokalpolitik aufregt, weil es einem nicht egal ist.

Dahoam kann ganz klein sein: ein Dorf, ein Viertel. Es kann auch groß sein. Bei mir ist es beides. In einer Kurzbio von mir steht: an der Isar dahoam. Ja. An der Isar gibt es die alte Heimat, die es immer geben wird, wenngleich immer weniger, aber sie wird immer Heimat sein. Dann gibt es München. Heimat. Und die große Liebe Isaraufwärts. Und wenn ich irgendwann doch da hinziehe und mir jemand sagt, du zuazogne aus Minga, was wuist du da – dann kann ich antworten: an der Isar war ich schon immer dahoam.

Die Isar ist Heimat.

Der Himmel, der hier so blau ist, wie er nur hier ist.

Der Moment, wenn der Föhn macht, dass der Flughafen an den Bergen ist und du ab dem Zeitpunkt den Bergen entgegen fährst.

Das blaue Land, weil du in diesem Moment immer wieder weißt, dass jedes Marc und Münter Bild nur ein Versuch ist.

Heimat ist was schwieriges, weil unfassbares. Es ist ein Gefühl. Man kann woanders hingehen und sich dort daheim fühlen, bis auf die Momente, in denen man, siehe oben, mit der alten Heimat spricht. Heimat gibt es nicht, wenn man sich nicht drauf einlässt. Man muss ankommen, um da bleiben zu können. Egal wo.


Rant eines Radlers gegen Radler

In meinem Großstadtumfeld, gar nicht so sehr in meinem ganz persönlichen viel mehr in meinem beobachteten, ist ja der Autofahrer der Teufel schlechthin. In der Höllenhierarchie der SUV-Fahrer quasi der Oberteufel. Mit zunehmener Aggressionstendenz. Jetzt beweg ich mich normalerweise mit dem Rad durch die Stadt - alternativ als Fußgänger oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln und aufs Auto steig ich nur um, wenn es wirklich sein muss - weil ehrlich gesagt, stresst mich das am meisten. Das liegt aber nur ganz bedingt an den anderen Autofahrern. Das liegt an den Radlern und Fußgängern. Letztere, die ohne von ihrem Smartphone aufzuschauen, die Straße überqueren, über rote Ampeln gehen (mach ich als Fußgänger auch - wenn ich mich vergewissert habe, dass KEIN Auto in der Nähe ist). Radfahrer, die alle Verkehrsregeln ignorieren. Die, wenn ich den Blinker zum einparken setze, zwischen mir und der Parklücke durchfahren. Das schlimmste war letztens eine Radlerin (mit Kind!), die sich zwischen mir und parkenden Autos vorbeigeschoben hat, als ich einem anderen Auto die Möglichkeit gab, aus einer Einfahrt rauszufahren.

Manchmal ist es ganz heilsam Auto zu fahren, um auch wieder einen anderen Blick auf das Verkehrsgeschehen zu bekommen. Ich habe als Radfahrer nicht Vorfahrt - vor allem nicht, wenn ich auf der falschen Straßenseite fahre. Weil mich ein Autofahrer einfach vielleicht nicht sieht. Ich hab auch als Radfahrer nicht Vorfahrt auf dem Bürgersteig. Da fahr ich hinter den Fußgängern her und wenn sie zu langsam gehen, dann steige ich ab. Und wenn mich jemand vorbeilässt, sage ich "danke". Das ist unabhängig von Verkehrserziehung Erziehung. Was jetzt kein Freibrief für Fußgänger ist, sich auf dem Radweg zu bewegen und sich nicht wegbewegen zu lassen.

 Ich persönlich glaube ja, dass die Aufhebung von Radwegen. Die Aufhebung von Einbahnstraßenregelungen für Radler. Genau das Gegenteil bewirkt hat, was es sollte. Was sollte es denn bewirken? Wenn jeder seinen Weg hat, sorgt das für Sicherheit. Ich fahr als Radler lieber auf einem Radweg. Und wenn ich früher im Uni-Viertel gegen die Einbahnstraße gefahren bin, hab ich total aufgepasst - weil ich war ja nicht im Recht - und hab einem Autofahrer noch ein "Sorry" entgegengeworfen. Da hat auch keiner aggressiv auf mich reagiert. Eine Zone für alle Verkehrsteilnehmer funktioniert nicht. Es fühlt sich damit nämlich jeder im Recht. Und Rücksichtnahme gibt es nicht mehr.

Auch kürzlich in der Barerstraße: zwei Radlerinnen im Schritttempo nebeneinander - zur Hauptverkehrszeit. Dass es da Trambahnen, Autos, andere Radfahrer gibt. Egal. Kein Hirn für a Fünferl. Aber wehe, ein Auto hätte sie geschnitten beim Überholen. Ui, böser Autofahrer. Ich war mit meiner Rennrad-Gazelle hinter ihnen und musste sie leider fürcherlich auf bairisch beschimpfen.

Und um zum Ausgangspunkt zurückzukehren: das mir gehört die Straße-Prinzip kommt ja gar nicht von den teuren Autos. Ganz böse sind die 3er BMWs mit Fahrern aus der zweiten Einwandergeneration (ist das politisch korrekt ausgedrückt?), Fahrer mit auswärtigen Kennzeichen aus dem nährern Umland oder Kleinwagenfahrer, die überfordert sind. In ebendieser absteigenden Reihenfolge hatte ich die letzten Jahre als Radler meine Probleme. Und dann erst kam die PS-Protzkarre. Aber vielleicht bin ich auch voreingenommen, denn in meinem städtischen Umfeld fahren die meisten PS-Protzkarrenbesitzer auch in der Regel Rad. Und zwischen beiden Vekehrsmitteln zu wechseln, ist bekanntlich hilfreich für das gegenseitige Verständnis...


Schwabinger Neuherbstgeschichten

Mit mehr oder weniger großen Getöns haben sich über den Sommer hier einige Veränderungen angedeutet oder auch schon vollzogen. Das größte Getöns hat das ehemalige Café Schwabing, das dann ja Brasserie hieß, gemacht. Die Brasserie war ja nix, was mich sehr gereizt hätte, wobei das Café Schwabing am Ende seinen Zenit auch mehr als überschritten hatte. Also ein neuer Versuch. Der Neuhauser will jetzt da einziehen. Er nennt sich hoffentlich dann wenigstens Schwabinger. Ich weiß, dass der Neuhauser in Neuhausen ganz beliebt ist - insbesondere wegen seiner Pizzen. Aber gute Pizzen bekommt man ja in Schwabing durchaus. Mal schauen, was er draus macht.

Apropos Pizzen: ohne großes Gedöns zugemacht hat anscheinend das Golden Twenties. Oder macht das nach der Hausrenovierung doch wieder auf? Das war mal richtig was. Aber vielleicht ist die Zeit vorbei?

Am Elisabethmarkt hat Susa endgültig zugemacht - nein, lag natürlich nicht am Stand oder der gewachsenen Konkurrenz drumrum. Und das Milchhäusl war lange geschlossen - und was der neue besser macht als der alte kann ich noch nicht sagen, weil bis jetzt immer alle Plätze belegt waren. Also irgendwas muss es sein.

Dafür hat gegenüber vom Elisabethmarkt eine Filiale von Dinatale aufgemacht (ja, schon vor einer Weile). Und das ist doch wirklich ein Gewinn.

An der Bauer Ecke Nordend und schräg gegenüber gibt es auch was neues. Aber die Elektrisierung lässt noch auf sich warten, wie auch das Bedauern über einen Verlust.

Und wenn ich jetzt meine Runde wieder am Kurfürstenplatz beende - da hat ja gegenüber des Café Schwabings auch der SFC zugemacht. Überraschend geräuscharm. Und ich geb zu, die erste Reaktion meinerseits war: egal. Coffeeshops braucht doch eh keiner. Als ich aber jetzt gesehen habe, was da reinkommt, will ich sofort einen Coffeeshop wiederhaben. Ein Rewe to go. Was in München tatsächlich keiner braucht. Einmal die Schwabing zugepflastert mit Rewe. Nicht dass einer davon wirklich gut wäre - ich staune ja immer, wenn ich woanders in einen richtig gut sortierten Rewe komme. Aber ein to go? In München? Mit den Münchner Ladenschlussgesetzen? Aus Düsseldorf kenn ich das als: Fertigessen und Trinken - besonders nach Geschäftsschluss und am Sonntag, aber nicht die typischen Supermarktprodukte. Also den Bedarf seh ich an dieser Ecke nicht. Und es wieder ein gesichtsloses Irgendwas.

Auf der anderen Seite: den Kurfürstenplatz bekommt man eh nicht schön. Das wird auch der Neuhauser Schwabinger meines Erachtens noch merken. Da was hinzusetzen, was weder abgehoben noch Boazn ist, Herausforderung. Viel Erfolg.


Jenseits des Datschi-Äquators

In Heinerland gibt es keinen Zwetschgendatschi. Dafür gibt es aber auch so gut wie keine Wespen. Stellt sich die Frage, ob für die gemeine Hauswespe ein Leben ohne Datschi zwar möglich aber sinnlos ist. Die meisten Altbayern könnten das nachvollziehen. Ähnlich wie ein Leben ohne Berge zwar möglich aber sinnlos ist. Ein Leben ohne den weißblauen Himmel, der nirgends so schön weiß und blau ist wie in Bayern. Ein Leben ohne Brezn, die es eben auch nur in Bayern gibt - alles andere sind Versuche einer Brezn, aber sie bleiben im Versuchszustand.

Jetzt gehör ich aber nicht zu denen, die jede labberde oder steinharte Brezn als Himmel der Bayern lobt - weil auch in München bleiben die oft im Versuchszustand. Wie auch der Datschi, der oft so datscht, dass man ihn auch nicht mehr essen will. Jetzt darf sich zwar jeder Hefeteig mit ein paar Zwetschgen drauf Zwetschgendatschi nennen, aber richtig gut sind die wenigsten. Sind wir mal ehrlich. Nur die gemeine Münchner Hauswespe, die mag sie alle.

Weil ich aber die Hoffnung selten aufgebe, probiere ich natürlich jeden Datschi, der nur halbwegs danach aussieht, schmecken zu können. Und bin dann oft enttäuscht. Wie ich auch enttäuscht bin, die Datschi-Zone verlassen zu haben (also temporär). Wobei auf der anderen Seite hab ich schon eine sehr feine Kuchenquelle aufgetan - und der Zwetschgenkuchen vor zwei Tagen hat ganz viele der Münchner Datschis um längen geschlagen. Fand ich - die Wespe, die sich neugierig näherte, dran schnupperte und wieder abzog, die sah das wohl anders.


Hört mir mal wieder auf mit dem Gentrifizierungmist

Ach, mal wieder ein Lärmtag gegen Gentrifizierung. Erfunden von den Gentrifiezierern. Weil der ganzen Blosn von jungen Hipstern geht es ja nicht darum, dass tatsächlich die alten Münchner Verhältnisse bewahrt bleiben - da wären sie ja ebenso unerwünscht wie die neuzugezogenen Geldigen. Es geht um ihren persönlichen Wohnraum. Und ob für ihren persönlichen Wohnraum eine Oma weggezogen ist, ist ihnen total egal. Der Unterschied zu den sogenannten Gentrifiezieren - die sanieren. Und das ist nicht per se schlecht. Und damit kommen wir, überraschend schnell, auf den Punkt: bestehende Substanz muss erhalten werden und dafür braucht es Geld. Und deshalb ist es auch nicht per se schlecht, wenn irgendwas umgewandelt wird, weil die, die sich darauf einlassen, sich in der Regel auf das Gesamtpaket einlassen. Die wollen das so. Auf die könnt ihr Hipster sauer sein, weil sie euch den billigen Wohnraum wegnehmen - aber die Oma, die schon immer da gewohnt hat, wird weiter da wohnen, weil die hat im Gegensatz zu Euch Bestandsschutz. Mein persönliches Schnappatmungserlebnis hab ich ja immer dann (schon immer - immer noch) bei Neubauwohnungen in Baulücken, wo ich mir immer die Frage stelle: wer soll das bezahlen? wer ist die Zielgruppe? fühlen die sich ein in ein Viertel? Aber denen seid ihr ja egal. Und mein Eindruck, und das nervt mich, Euch geht es auch nicht um die. Euch geht es um Euch und um nichts anderes. Mir geht es darum, dass aus jetzt meiner Wohnung niemand aus seiner Wohnung rausgetrieben wurde. Dass um mich herum, die kleinen Läden und Werkstätten überleben - auch indem ich dort einkaufe. Ich will, dass die alten Nachbarn im Haus oder gegenüber nicht aus ihrem gewohnten Wohnraum vertrieben werden. - Und wenn sie mal wegsterben, brauch ich ehrlich gesagt, auch keinen lärmenden Hipster, sondern jemanden, der hier leben will, sich in eine Gemeinschaft einfügen will - weil Veränderung gibt es. Die eigentliche Frage ist: wie.


Du Frau B.

Ich persönlich find's ja a Kreiz mit dem du und mit dem Sie. Wie oft hat schon jemand zu mir gesagt: du ruf den Michi an/meine Schwester/mein Spezl - der die das kann dir helfen. Dann meldet man sich bei der- oder denjenigen - und steht vor der Entscheidung, ob man jetzt du sagt - weil die Ebene von der man kommt eine du-Ebene ist oder Sie. Bis jetzt war jede meine Entscheidungen die falsche. Da wünsche ich mir dann das englische, wo es egal ist - oder das echt bairische, wo es auch egal ist, weil da bist halt per du. Aber wir sind halt in so einem Zwischending.

Also so grad in unserem Alter. Bin ich jetzt per du mit jemanden, der mir von jemanden vorgestellt wird, der mit demjenigen per du ist? Spontan sag ich: ja. Und wenn mich dann jemand auf einer privaten Veranstaltung siezt, bin ich zuerst irritiert und will mich dann ob meines Alters weinend in eine Ecke verziehen. Mach ich nicht, ich hol mir eher ein Glas Wein und duze aus Protest. Beruflich ist das noch was anderes - aber das hab ich auch erst gelernt und die Umsetzung ist nach wie vor schwierig: wenn mein Mann/eine Freundin mich jemanden vorstellt, mit dem er oder sie per du ist - was bin dann ich mit dieser Person? Bleib ich beim Sie signalisiere ich Distanz, duze ich bin ich vielleicht ich weiß nicht was.

Ich bin auch im Wohnumfeld eher bei einem automatischen du als beim Sie. Und es irritiert mich sehr, wenn mich Menschen, die ungefähr mein Alter haben, Siezen. Aber wahrscheinlich macht man das auch in ungefähr meinem Alter so. Weil auf der anderen Seite schätze ich es auch, in einem Geschäft oder Lokal gesiezt zu werden. Oder geduzt, weil das dann den Stammgast/kunden Charakter ausmacht. Ich bin auch so alt, dass es mich nervt, wenn ich im Radio geduzt werde oder in einer Zeitschrift. Und jung genug (gefühlt jedenfalls), dass ich selbst duze.

Schwierig. Lösungsvorschläge erwünscht. Wie habt Ihr denn das so?


An Schmaaz halten

Ich hab mich heute durch München geplaudert. Oder gschmaazt auf gut bairisch. Dabei war ich nicht einmal auf dem Markt, wo an Schmaaz halten zum guten Ton gehört, sonst ist man irgendwie fehl am Platz. Ich hab auch sonst nichts besonders gemacht. Aber mit dem Nachbarn geredet, mit der griechischen Wirtin von nebenan, mit einer alten Dame in der Schlange vor mir, mit einer anderen im Supermarkt, ausgiebigst mit der Verkäuferin in der Parfümerie (die glaub ich grad eine neue Stammkundin gewonnen hat), mit der Friseurin bei der Terminvereinbarung, die mir dann gleich noch ein Produkt empfohlen hat (bekommen Sie in jedem Drogeriemarkt), in der Wäscherei, mit jemanden auf der Straße und am Ende sagte auch die Supermarktkassiererin: Man kann ja miteinander reden.

Mein München hat sich heute mal wieder von so einer entspannten, lässigen Seite gezeigt, als wollte es mir sagen - Willkommen daheim.

Der Münchner ist nämlich lange nicht so maulfaul, wie man gemeinhin vermutet - wobei diese Vermutung wahrscheinlich von Menschen geäußert wird, die außer den überlaufenen Innenstadtgaststätten nichts von München kennen. Wobei das durchaus von Stadtteil zu Stadtteil variiert, denn der Schwabinger ist, wie schon festgestellt, bedeutend offener gegenüber anderen Menschen als beispielsweise der Neuhauser, also der gebürtige.

Und so ähnlich verhält es sich auch in Heinerland. Ein Heiner erkennt den anderen möglicherweise an der Nasenspitze und vielleicht ist er diesem gegenüber offener. Aber so einer Fremden gegenüber... Setz dich mal in München mit den einleitenden Worten "darf ich?" neben eine ältere Dame in der Tram - das machst du nicht, wenn du kein Gespräch führen willst. Gestern kam nicht mal ein: Bitte oder selbstverständlich. Fliehe mal in München bei einem Platzregen von draußen in ein Café - da hast du mit mindestens einem der anderen Gäste mindestens drei Worte gewechselt und mit der Bedienung. - Nada. Nicht mal bei der Fußplege ließ sich die Fußpflegerin ein Gespräch aus der Nase ziehen (ich gehe seit 2001 zur Fußpflege - das war sehr ungewohnt), dafür haben sie und die Chefin mit einer Stammkundin gescherzt als meine Nägel trockneten... Und kleine Läden im Viertel, die ja die Basis für den täglichen Ratsch sind, die gibt's halt nicht.

Und da ich mich, so denke ich, auch nicht anders verhalte als dort und vor allem auch dort nicht anders verhalte als bei meinen Gastaufenthalten in Düsseldorf die letzten beiden Jahre, sag ich mal - an mir liegt's nicht. Oder von der anderen Seite aus betrachtet: doch?


Wir helfen Geld sparen

Eine Absonderlichkeit, jedenfalls für eine Münchnerin, in Heinerland ist die feste Entschlossenheit der Einheimischen, einen am Geld ausgeben zu hindern. Sowohl im Verkauf wie auch im Restaurantservice.

Ich wollte gerne Sommerbetten. Ja, da haben wir ein wunderbares Angebot. - Nein, das überzeugt mich leider nicht. Haben Sie auch noch was zum regulären Preis? - ABER DAS IST NICHT REDUZIERT. Ja, ich weiß, aber haben Sie was und können Sie mir das zeigen? ABER DAS IST NICHT REDUZIERT. Ja, ich möchte es aber sehen. Und ich würde zwei Decken davon nehmen (weil das überzeugt mich). - Ja, da haben wir jetzt aber nur eine davon da. Sie können ja, wenn Sie unbedingt wollen, für Ihren Mann die reguläre Decke nehmen, und für sich die reduzierte... Äh?

Ich wollte auch Bettwäsche kaufen. In einem anderen Haus. - Ja, da haben wir ein wunderbares Angebot.  - Nein, das überzeugt mich leider nicht. Haben Sie auch noch was zum regulären Preis? - ABER DAS IST NICHT REDUZIERT. Ja, ich weiß, aber haben Sie was und können Sie mir das zeigen? ABER DAS IST NICHT REDUZIERT. Ja, ich möchte es aber sehen. Also wenn es unbedingt sein muss, zeig ich Ihnen das Kissen. Den Bettbezug müsste ich ja wieder zusammenlegen, das können Sie sich ja vorstellen. Wer Bassetti-Bettwäsche hat, weiß, mit vorstellen ist da wenig.

Im Restaurant oder im Café oder auch im Wirtshaus (oder wie immer das hier heißt): egal welche Preisklasse. Man sitzt und wartet, bestellen zu dürfen. Man sitzt und wartet, etwas zu bekommen. - Weiteres zu bestellen? Anscheinend unüblich. Allerdings wird einem auch keine Rechnung aufgedrängt. Man sitzt. Vor einem leeren Glas - und im Zweifelsfall auch vor einem leeren Teller.  Und sitzt. Und wenn man zahlen will, will man bitte auch keine Rechnung. Weil auch das ist hier unüblich. Und nicht zu verwirklichen. - Weil Geld spart man nur, wenn man es nicht ausgibt. Hier jedenfalls.